Zentrallager und Brotfabrik der Produktivgenossenschaft Niederrhein

1901 wurden in der Aufstigsphase der Sozialdemokraten in Krefeld die Konsumgenossenschaften „Fortschritt“ und „Solidarität“ gegründet. Ziel der Genossenschaften war die Versorgung der Mitglieder mit günstigen und fair gewogenen Lebensmitteln. Die Genossenschaften sollten ein wichtiger Schritt zu einer selbstverwalteten Wirtschaft sein, 1909-10 entstand daher Brotfabrik und Lager.

Sehenswert sind ist das straßenseitige Produktionsgebäude und das rückwärtige Lagergebäude der Genossenschaft.

Geschichte und Hintergrund

Krefeld war am Ausgang des 18. Jahrunderts zur Großstadt gewachsen und hatte rund 100.000 Einwohner. Fabrikarbeit lockte große Mengen von Arbeiterinnen und Arbeiter in die Stadt, sodass Unternehmer sich nicht nur Arbeitskräfte aussuchen konnten, sondern auch den Lohn diktieren konnten. Die Arbeitsbedingungen waren dazu schlecht, die Organisation der Beschäftigten wurde verhindert.

Für die Arbeitnehmer war aber zudem auch die Beschaffung von Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs ein großes Problem. Aufgrund der unsteten und prekären Beschäftigungsverhältnisse war für sie ein Einkauf der teuren Waren, die schlecht abgewogen wurden, mit minderwertigem Füllmaterial versetzt waren, zudem oft eine zweifelhafte Qualität hatten, ein täglicher Kampf. Auch weil der Lohn auf sich warten lies und man sich durch „Anschreiben“ verschuldete.

Eine Einrichtung der Arbeiterbewegungen waren die Genossenschaften. Sie bestanden bereits vor den Gewerkschaften und hatten auch mehr Mitglieder. Die Konsumgenossenschaften »Fortschritt« und »Solidarität« standen der Arbeiterbewegung nahe und hatten das Ziel, die Versorgung ihrer Mitglieder mit unverfälschten und korrekt gewogenen Lebensmitteln, zu fairen günstigen Preisen sicherzustellen. Tiefgründiges Ziel der Sozialdemokratie war, dass die Genossenschaften ein Schritt zur selbstverwalteten Wirtschaft sein sollten.

Nach der Fusion der beiden „Konsumgenossenschaften“ im Jahr 1908 erfolgte die Ausweitung zur „Produktivgenossenschaft“. Diese bestand im wesentlichen aus einer Großbäckerei mit zehn Öfen und später noch einer Limonadenfabrik.

Die Standortwahl südlich des Hauptbahnhofs ermöglichte eine direkte Anlieferung von Rohstoffen und gleichzeitig die Versorgung der von der Fabrik zu beliefernden Konsumläden die in der ganzen Stadt verteilt waren. 

Lagergebäude, Foto: Christoph Becker

Im rückwärtigen Teil des Komplexes wurde nach den Plänen des Krefelder Architekten Karl Buschhüter 1909 das Lagergebäude errichtet. Der Lüdenscheider Architekt Robert Adrian entwarf das straßenseitige repräsentative Produktionsgebäude von 1910. 

Produktionsgebäude, Foto: Christoph Becker

Die Genossenschaft existierte bis 1933 und wurde durch nationalsozialistische Regierung enteignet. 1934 übernahm dann weit unter Wert der Brotfabrikant „Im Brahm“ (Marxloh-Homberger Brotfabrik) die Gebäude.

Der pausbäckige „Im Brahm-Junge“ (Plakat an der Fasadenseite) ist ein Entwurf des Schildermalers Richard Hütter. Hütter war Kommunist und hatte Plakate mit Aufrufen gegen Hitler gedruckt, wurde durch die Nationalsozialisten in das KZ Börgermoor transportiert und kam im Alter von 40 Jahren dort um.

Nach der Einstellung der „Im Brahm“ Produktion 1983 sollte die Fabrik abgerissen werden. Seit 1985 steht das Gebäude jedoch unter Denkmalschutz, der Eigentümer „Wohnstätte Krefeld“ erklärte sich 1999 zu einer Grundsanierung bereit.

Die Bezeichnung „In Brahm“ wird der Geschichte der Anlage vielleicht nicht gerecht, so wurde die Homberg-Marxloher Großbäckerei „Im Brahm“ während der Enteignungen der NS-Diktatur neuer Eigentümer der ehemals genossenschaftlichen Anlage.

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https://www.alte-imbrahm-krefeld.de/imbrahm-denkmal.html

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