Färberei- und Appreturschule

Die Entstehung der königlichen Färberei- und Appreturschule in Krefeld stellt den Zusammenhang der industriellen Weiterentwicklung der Textilindustrie und die Wissensvermittlung um das neue Feld der synthetischen Farben dar. Sie ist eine der Keimzellen der Hochschule Niederrhein.

Sehenswert ist der gut erhaltene und im Fachbereich Chemie der Hochschule nach wie vor genutzte Schulbau an der Adlerstraße.


Geschichte und Hintergrund

Das gesamte Textilgewerbe wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend technisiert, betraf das die Arbeit der Seidenwerber. Fabriken entstanden, Arbeiter mussten für die dort errichten neuen automatisierten Webstühle ausgebildet werden. Im Jahr 1855 wurde die Höhere Webschule Crefeld als erste höhere Bildungseinrichtung am Niederrhein gegründet.

Nachdem deren Erfolg ausblieb, dennoch der Bedarf an ausgebildeten Arbeitskräften in der Teerfarbenindustrie, den Färbereien, den Appreturen erheblich anstieg, wurde 1883 und international beachtet die Webe-, Färberei-, Appreturschule in Crefeld gegründet.

Deren Königliche Färberei- und Appreturschule bezog bereits im Jahr 1895, aufgrund von entstandenem Platzmangel, ein neues eigenes Gebäude an der Adlerstraße.

Das Gebäude folgt der preussischen Tradition der Schulbauten und wurde von Regierungsbaumeister Reimer mit einer Backstein-Fassade, hervorstehenden Giebelaufbauten und dezenten Materialen wie Basaltlava und Tuffstein geformt.

Im Innern des Gebäudes ist der wesentliche Aufbau der Schule und Teile der Ausstattung, insbesondere das Treppenhaus, erhalten.

Die Schule bildete die Fachleute für die Teerfarbenfabriken, Färbereien und Appreturanstalten in den grundlegenden chemischen Vorgängen aus. 1924 war sie die einzige selbstständige Fachschule für die Textilveredelungsindustrie in ganz Deutschland.

Historische Farbstoffsammlung

Farben synthetisch aus Steinkohlenteer herzustellen war die Geburtsstunde der chemische Industrie. Deren wichtigster Abnehmer war die Textilindustrie die mit jenen neuartigen Farben Stoffe färbte. Beiden Verfahren waren Gegenstand in der Ausbildung der Färberei- und Appreturschule. Aber in der Schule wurde nicht nur unterrichtet, sondern auch geforscht. So sendeten die Teerfarbenhersteller ihre Farbstoffe zu Testzwecken in die Laboratorien der Schule. Hier konnten Forschungen angestellt werden, mit welchen Behandlungsschritten neue Farben auf Fasern zu fixieren waren.

Es entstand in der Crefelder Färberei- und Appreturschule eine Farbstoffsammlung mit über 10.000 chemischen Färbesubstanzen, die weltweit größte ihrer Art. Die Sammlung ist zudem ein Zeitzeugnis für den Austausch der entstehenden chemischen Industrie mit der Wissenschaft und der Textilindustrie. Teile der Sammlung sind im TextilTechnikum in Mönchengladbach öffentlich zugänglich.

Hochschule Niederrhein

Aus 13 Vorgängereinrichtungen, darunter die vorgenannten Einrichtungen, entstand am 1.8.1971 als Fachhochschule Niederrhein der Vorläufer der heutigen Hochschule Niederrhein, damals mit 3660 Studierenden, in acht Fachbereichen.

Heute studieren an der Hochschule Niederrhein über 14.200 Studierende an zehn Fachbereichen an den Standorten Krefeld und Mönchengladbach in 90 Bachelor- und Masterstudiengängen.

Die Färberei- und Appreturschule ist heute der Standort des Fachbereichs Chemie der Hochschule.

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von Marc Holly