Ausflug: andere Rheinseite, Haus Angerort und der Magic Mountain

Wenn man von Uerdingen aus die Rheinbrücke überquert, liegen zwei Ortschaften auf dem Weg, Mündelheim und Ehingen. Und dann kommt das HKM Stahlwerk in Sicht.

Hier war 1909 ein neues Hüttenwerk vom Essener Eisenwerk Schulz-Knaudt gebaut worden. Gleich gegenüber der Hauptverwaltung am Tor 1 der HKM entstanden zwei Siedlungen für die Essener Arbeiter und die Betriebsbeamten.

Eine der Siedlungen erhielt mit Hüttenheim eine bleibende Erinnerung an die Essener Arbeitersiedlung Hüttenheim und einen zum Stahlwerk passenden Name. Die andere Siedlung für Betriebsbeamte wurde nach dem Stahlwerk Gründer Schulz-Knaudt Siedlung benannt und ist sehr sehenswert. An der Siedlung vorbei fließt der Angerbach.

Kartenausschnitt, Mitte: Angerort und Angerbach, vor der Gründung des Stahlwerks. Quelle Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Karte 11585

Der Angerbach mündet heute inmitten von Hüttenwerken und Containeranlagen in den Rhein und die Mündung des Baches war Jahrzehnten nicht erreichbar.

Heute führt ein Fußweg zum Rhein und am Ende wartet ein schöner Ausblick auf den Rhein, in der Ferne Uerdingen und Duisburg, dazu eine gute Perspektive auf das Haus Angerort, eine mittelalterliche Wasserburg und Festung. Diese liegt im HKM Stahlwerk Gelände und steht zwar unter Denkmalschutz, ist aber in einem offensichtlich schlechten Zustand und unbewohnt.

Dioxin und Schwermetallverseuchung, der Magic Mountain

Der Fußweg zum Rhein ist vom Tiger & Turtle – Magic Mountain genannten Klettergerüst, dass auf einer Halde liegt, gut erreichbar. Unter der Halde sind die Hinterlassenschaften der 1905 gegründeten Metallhütte AG Duisburg vergraben, die am Standort 100 Jahre Zinkerze zu Zink verhüttet hatte.

Umfangreiche Ermittlungen des StUA Duisburg und des ehemaligen Landesumweltamtes (LUA, heute: LANUV) hatten im August 2001 eine Ordnungsverfügung zur Sanierung u.a. der offenen Lager- und Umschlagsflächen gegen den Betreiber MHD Sudamin erlassen, diese sich allerdings dagegen mit allen rechtlichen Möglichkeiten zur Wehr gesetzt und war insolvent gegangen.

Als die Metallhütte Duisburg 2005 in Insolvenz ging, wurde die Hinterlassenschaft eines extrem hoch kontaminierten Geländes mit zahlreichen Umweltgefahren bekannt. Unter anderem mit 1.500 Fässern hochgiftiges Dioxin aus Filterrückständen, 9.000 Tonnen Schwefelsäure, ein bis in die Tiefe des Grundwassers mit extrem hohen Anteilen an Blei, Cadmium und Arsen versuchten Betriebsgeländes am Rhein, eine offene und mit Schadstoffen hoch belastete Deponie. 

Die Sanierung des gesamten Geländes erfolgte durch

  • umfangreiche Entsorgung der Produktionsrückstände
  • und Rohstoffe,
  • den Rückbau der Betriebsgebäude,
  • den Aushub des gesamten Firmengeländes bis zu einer Tiefe von 9m,
  • der Aufschichtung der geringer belasteten Materialien in Erhöhung der Halde mit insgesamt 1Mio m3 Rückständen auf 35m Höhe,
  • die Abdichtung der Halde,
  • die Entsorgung der hochbelasteten Rückstande und des Dioxins,
  • die Entwicklung des Geländes am Rhein als weiteres Duisburger Containerterminal.

Der „Magic Mountain“ kostete in Summe 57Mio € und ist kostenlos zugänglich. Er ermöglicht einen weiten Blick und wird wohl nun ewig an einen größten Umweltskandale Nordrhein-Westfalens erinnern. Die Skulptur Tiger & Turtle rundet das Ergebnis ab und ist begehbar.

Mehr lesen:

Hüttenwerke Krupp Mannesmann
Rheinische Industriekultur
von Horst A. Wessel 

Schulz-Knaudt Siedlung
Denkmalbereich „Siedlung Schulz-Knaudt-Straße“
in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. 

Dokumentation
von der Metallhütte zum Angerpark
Stadt Duisburg

Magic Mountain und Tiger& Turtle on top

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