Kanalpläne, der Rhein-Maas-Schelde-Kanal

Seit Jahrhunderten gibt es Bestrebungen, den Niederrhein durch ein Kanalprojekt mit der Schelde bei Antwerpen in Belgien zu verbinden. Einige dieser Projekte wurden begonnen, keines ist bisher fertiggestellt worden.

Sehenswert und erhalten sind die Reste der Bauwerke aus der Zeit, als Teile des Rheinlands zu Spanien oder Frankreich gehörten. Dazu gehört der Rheinhafen in Krefeld, der als Ausgangshafen eines Kanals dienen sollte.

Fossa Eugeniana

1626-1628 arbeiteten die Spanier, als Herrscher am deutschen linken Niederrhein, an der sogenannten Fossa Eugeniana. Geplant wurde der Kanal unter der Regie der damaligen spanischen Regentin in Brüssel, Isabella Clara Eugenia, Tochter Philipps II. von Spanien, nach der der Kanal auch benannt wurde. Die technische Leitung lag vermutlich in den Händen von Juan di Medici.

Mit den Bauarbeiten Begonnen wurde im September 1626 begonnen und der Kanal von von Rheinberg nach Geldern erbaut. Tausende von Arbeitern waren auf der Baustelle beschäftigt.

Niederländische Interessen und militärische Interventionen behinderten dann den Fortschritt des Projekts, bis sich die Herschafftsverhältnisse so änderten, das der Bau aufgegeben wurde. Erhalten sind insbesondere die Reste der ersten Schleusenkammer bei Rheinberg.

Buch: Die Fossa Eugeniana. Die unvollendete Kanalverbindung zwischen Rhein und Maas 1626, von Rolf-Günter Pistor und Henri Smeets. Rheinland-Verlag, Köln 1979, (vergriffen)

Grand Canal du Nord

Der zweite Kanal, der unter Napoleon geplante Grand Canal du Nord, der die schiffbare Verbindung vom Rhein bei Neuss zur Maas bei Venlo vorsah, kam in den Jahren 1808-1810 wiederum nur teilweise zur Ausführung.

Siehe auch:
Epanchoire, Nordkanal, in Neuss.


Krefeld als Ausgangspunkt für den Kanal

Auch in Krefeld gab es bereits seit 1836 Überlegungen um einen Kanal zur Maas, aber die Stadt setzte zunächst auf die Realisierung von Eisenbahnanschlüssen. 1851 in Gestalt einer Verbindung nach Homberg und Mönchengladbach, 1856 nach Köln, 1863 nach Kleve.

Karte der Eisennbahnlinien Krefeld

Die Bestrebungen zur Rhein-Maas-Schelde-Kanalverbindung wurden dennoch durch die Stadt Krefeld erneut aufgegriffen. Denn diese ließ 1875, mit Einvernehmen der Preußischen und Holländischen Regierung, von Professor Henket in Delft, einen „Entwurf nebst Kostenberechnung für eine Kanalverbindung vom Rhein bei Crefeld über Kempen nach der Maas bei Venlo“ ausarbeiten.

Unmittelbar entgegengesetzt wurde seitens des „Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen“ am 12. Juli 1875 argumentiert, der Kanal wäre zu teuer, bei den geringen Warengewichten der Krefelder-Industrien auf dieser Linienführung vollkommen unnötig, insgesamt seine Kanäle im Vergleich zur Eisenbahn zweifelhaft: „Wir haben von vorneherein unsere Ueberzeugung dahin ausgesprochen, dass das neue Kanalproject zwischen Rhein und Maas, ebenso wie seine besseren Vorgänger, ein todtgebornes sein werde. Die Aussicht auf eine Lebensfähigkeit wäre jedenfalls eher vorhanden, wenn die Interessenten sich anstatt an einen Wasserbauverständigen an einen practischen Eisenbahn-Ingenieur gewendet hätten.“

Die zu jener Zeit aber noch ungeahnte aber schon bald einsetzende gesamte gewaltige Verkehrssteigerung, brachten Kanal- und Hafenpläne schnell erneut ins Gespräch. Dennoch scheiterte 1879 die erforderliche Zustimmung zum Plan Professor Henkets im holländischen Parlament zuerst knapp, um dann aber 1882 doch in einem fertigen Entwurf für einen Staatsvertrag zwischen Holland und Preußen zu münden.

Weiterer Fortschritt des Projektes stagnierten danach allerdings auf holländischer Seite, denn die einflussreichen Häfen Amsterdam und Rotterdam hatten wenig Interesse dieser konkurrierenden Verbindung. 

Rhein – Niers- Kanal

Im Januar 1892 bildete sich dann, von Gladbach ausgehend, ein Komitee für den Ausbau eines Rhein – „Niers“- Kanals, dem alle benachbarten Städte und Landgemeinden beitraten. Am 27. Juli 1892 trat die Stadt Krefeld und die Handelskammer Krefelds als eigenes Komitee dem Mönchengladbacher Komitee bei.

Beauftragt wurde nun ein Entwurf eines bei Uerdingen vom Rhein abzweigenden Kanals, der südlich Krefelds nach Neersen, von Neersen aus ein Stichkanal nach Viersen, von Neersen nach Gladbach, weiter Rheydt, Wickrath, Heinsberg, Sittard, über die Maas hinweg bis Lanklaer zum dort bereits bestehenden Maas Seitenkanal. Von dort könnte dann über den ebenso bereits bestehenden Campine Kanal Antwerpen erreicht werden. 
[Siehe auch: die Entstehung eines Stahlwerks in Krefeld]

Für die Kanalplanung wurde die mit Infrastrukturprojekten erfahrene Firma Havestadt & Contag aus Berlin beauftragt, diese lieferte am 1.3.1893 einen Entwurf ab, der dann 1894 der Regierung in Düsseldorf unterbreitet wurde.

Diese Variante ergab aber in der Berechnung hohe Bau-, Unterhaltungs- und Betriebskosten und wurde angelehnt. 

Hubert Henrichs Pläne zum Rhein Maas Schelde Kanal

1897-1899 bearbeitete der königliche Wasserbauinspektor Hubert Hentrich, im Auftrage der Provinzialverwaltung von Westfalen, an dem Entwurf für die Schiffbarmachung der Lippe.

Hentrichs Lippe-Kanal Überlegungen verlängerten die bereits anderweitig geplante Mittelland-Verbindung aus dem Osten, bis zum bereits seit sieben Jahren im Bau befindlichen Dortmund-Ems-Kanal als der Nord-Süd Achse, von dort weiter an der Lippe entlang bis zum Rhein.

Darüber hinaus plante Hentrich selbständig die Kanalverbindungen weiter nach Westen, mit dem Zielpunkt Antwerpen. Dies erregte Aufsehen in Krefeld.


Kanal Entwürfe Henrichs sollten noch länger für intensive Diskussionen sorgen, wie der einige Zeit später von Hentrich als Buch verfasst Entwurf „Der Rhein Maas-Scheldekanal, von Crefeld nach Antwerpen, Entwurfsstudie, Hentrich, Kgl. Baurat, Beigeordneten der Stadt Crefeld“ 1913 zeigt:

Ausschnitt aus Der Rhein Maas-Scheldekanal, von Crefeld nach Antwerpen, Entwurfsstudie, Hentrich, Kgl. Baurat, Beigeordneten der Stadt Crefeld, 1913
Ausschnitt aus Der Rhein Maas-Scheldekanal, von Crefeld nach Antwerpen, Entwurfsstudie, Hentrich, Kgl. Baurat, Beigeordneten der Stadt Crefeld, 1913
Ausschnitt aus Der Rhein Maas-Scheldekanal, von Crefeld nach Antwerpen, Entwurfsstudie, Hentrich, Kgl. Baurat, Beigeordneten der Stadt Crefeld, 1913
Karte Rheinhafen, Gleisnetz und Übergabe- und Verschubbahnhof, Kanalerweiterungen
Quelle: Ausschnitt aus Österreichische Monatsschrift für den öffentlichen Baudienst, Nr 21, 1907, Österreichische Nationalbibliothek.

Krefelder Kanalhafen

Der Rhein-Maas-Schelde Kanal ist in Krefeld als die „geplante Hafenerweiterung“ in der folgenden Karte erkennbar. Gebaut und erhalten ist nur der kurze Anfang des Kanals in Form der Ausbuchtung am Wendeplatz 1.

Plan des Rheinhafens Krefeld, ca. 1911

Weitere Kanalprojekte

Es sollten noch viele weiter Kanalprojekte zur Verbindung des Rheins mit der Schelde folgen. Auch Krefeld tat sich dabei nochmals im „Kampf um die Montanachse“ hervor, siehe Krefeld gegen Neuss im NR-Magazin 19.

Das weiterführendes Buch dazu: Der Rhein-(Maas-)Schelde-Kanal als geplante Infrastrukturzelle von 1946 bis 1986, von Lina Schröder.

Ein anderer Kanal war das Projekt Rhein-Niers-Kanal, mehr dazu unter Stahlwerk Krefeld

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