Hauptfeuerwache Florastraße

1909 nahm die neue Hauptfeuerwache der Stadt Crefeld ihren Dienst auf. Die Stadt entwickelte dazu im bisher wenig bebauten Osten der Innenstadt ein Bauwerk, das bis ins Detail durchdacht und für die Besatzung von vierzig Mann die ideale Ausgangsbasis für die moderne Brandbekämpfung und den immer wichtiger werdenden Hygiene- Gesundheitsdienst war. Die Wache erfüllte ihre Aufgabe bis ins Jahr 2016 und ist nach 107 Jahren durch eine größere neue Hauptfeuerwache an anderer Selle ersetzt.

Sehenswert ist die sehr abwechslungsreiche Fassade der alten Hauptfeuerwache, ebenso die Bauten im um den Aufstellungshof.


Geschichte und Hintergrund

Fassade der Hauptfeuerwache a.D.,

Nachdem die Krefelder Berufsfeuerwehr im Jahr 1890 gegründet worden war, wurde die Wache am Westwall bereits zur Jahrhundertwende zu klein. Unter dem städtischen Beigeordneten Hubert Hentrich und Stadtbaumeister Walter Bollert wurde der Architekt Ernst Scholze beauftragt, eine neue Feuerwache für Krefeld zu planen. Erschaffen wurde eine bis ins kleinste Detail durchdachte und mit den besten langlebigen Materialien ausgestattete Wache, die zu den modernsten in Preußen gehörte.

Über der Wagenhalle in der die Feuerwehrfahrzeug-Gespanne abgestellt waren und die vom Aufstellungshof bis auf die Florastraße bei geöffneten beidseitigen Toren durchquert werden konnte, wurden Schlafsaal, Dienstzimmer, unter dem Dach Wohnungen der Kommandeure und eine damals sensationelle Turnhalle für die Leibesertüchtigung der Mannschaft integriert. Auch der Schlauchturm auf dem Aufstellungshof hatte die eingeplante Zusatzfunktion, den Angriff und die Rettung trainieren und verbessern zu können.

Die Krefelder Feuerwache war somit weitsichtig auf die äußerste Effizienz einer modernen städtischen Feuerwehr ausgelegt und zeugt von der Zeitphase, in der in Krefeld eine Reihe herausragender Bauwerke und Projekte wie Klärwerk, Krematorium, Rheinhafen, Stadtwaldhaus, Höherlegung der Bahnlinien entstanden sind.

Fluchtlinienplan 1901, in der Mitte die Florastraße und der Platz „an der Elisabethkirche“.
Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Ausschnitt aus Karte RW 324

Als Bauplatz für die Feuerwache wurde im Osten der Stadt, knapp südlich der Uerdinger Straße, ein Grundstück in der bisher wenig bebauten Umgebung ausgesucht. Die Hardenbergstraße und der „Floraplatz“ (zur heutigen Kirche St. Elisabeth die erst 1912-15 erbaut wurde), waren bereits 1901 in den Fluchtlinien gezeichnet, einzelne Gebäude des Häuserblocks entlang der Florastraße entstanden seit um 1905.

Auch der Güterbahnhof Ost und die Höherlegung der Bahngleise befanden sich bereits in der Umsetzung, Linn und Bockum waren zuvor eingemeindet worden. Die Südstadt und das Bismarckviertel wuchsen bereits. Der neue Standort der Wache ermöglichte daher sowohl den raschen Angriff in Richtung Innenstadt, als auch zu den neuen Einsatzbereichen.

Der architektonische Entwurf des Gebäudes stammt vom Architekten Ernst Scholze. Die Ansicht der Wache gliedert sich in einen zweigeschossigen zurückspringenden Trakt mit den spitzbogigen Toren für die Fahrzeuge, eingerahmt von asymmetrischen dreigeschossigen Baukörpern die die angrenzende Block-Bebauung aufnehmen.

Die ganze Wache ist in kräftig roten Ziegeln gemauert und wird durch den zu dieser Zeit in Krefeld oft verwendete schwarzen Lavabasalt, der im Sockel aber auch als Bauschmuck verwendet wurde, kontrastiert. Bemerkenswert sind die Fenstergruppen über den Toren, das langgezogene Fledermausgaubenfenster im Mittelteil des Daches und die unterschiedlich arrangierten Erker.

Ansicht der Feuerwache, Quelle: Städtebauatlas Crefeld 1922
Aufstellungshof, ca. 1920, Foto: Stadtarchiv

Im Inneren der Wache sind viele Einbauten aus der Bauzeit erhalten. Neben dem Hauptbau mit den vier Torbögen befindet sich im Hofbereich ein weiterer Anbau, in welchem der Pferdestall, eine Schmiede und Schreinerei untergebracht waren. Auf dem Dach dieses Anbaus befindet sich auch der 20 Meter hohe Schlauchturm. 


Auf dem Aufstellungshof der Hauptfeuerwache wurde eine Desinfektionsanstalt errichtet, die zusammen mit dem 1908-1909 erbauten Klärwerk, dem 1915 für die Entsorgung des Hausmülls fertiggestellten neuen Schirrhof die Anstrengungen der Stadt Krefeld zeigt, einem modernen Anspruch an Hygiene und Seuchenbekämpfung Rechnung zu tragen.

Desinfekionsanstalt

Auch die zur Erbauungszeit modernste Feuerwache des Landes konnte nach über 100 Jahren Betrieb den sich ändernden Ansprüchen an eine hocheffiziente Wache nicht mehr gerecht werden. 

Eine neue Wache wurde an anderer Stelle als ppP erbaut und die Feuerwehr zog 2016 vollständig aus dem alten Gebäude aus.

Der Rat der Stadt Krefeld verkaufte anschließend rasch das herausragende Baudenkmal Ensemble, ihre traditionsreichen aber nun in bedenklich abgenutzten und in der Not der Feuerwehrmannschaft auch arg verbastelten Zustand geratenen Wache.

Diese wird nun nach dem Fallenlassen ohne größeres Engagement der öffentlichen Hand dennoch langfristig erhalten. Denn ergänzend wird im ehemaligen Aufstellungshof ein Neubauprojekt verwirklicht, ohne das ein Erhalt des Denkmalensembles in rein privater Eigentümerschaft überhaupt nicht möglich wäre.

Damit wurde in Krefeld, ganz nach dem Sankt-Florian-Prinzip, der Erhalt von wesentlicher Baukultur und auch der eigenen Stadtgeschichte wiedermal in privates Engagement entlassen.

Feuerwache Florastraße
von Sabine Lepsky