Oel-Fabriken F. H. Boley, Emil Boley und T. I. Alberdingk Söhne

Emil Boley kam 1894 an den Rhein nach Uerdingen, um die ideale Lage am Rhein zu nutzen. Der Transportweg bot neue Möglichkeiten, die Rohstoffe für die Verarbeitung von Leinölsaaten für eine Ölmühle heranzuführen.

Aus seinem Unternehmen und der wenig später aus Leeuwarden nach Uerdingen kommenden Leinölfirnisfabrik T. I. Alberdingk Söhne sollte ein bis heute bestehender erfolgreicher Betrieb werden, der nun ein Spezialanbieter für wässrige Bindemittel, Leinöl und Rizinusöl ist.

Sehenswert sind die beiden historischen Ölfabriken am Rheinufer


Geschichte und Hintergrund

Zurückverfolgen lässt sich die Geschichte von Alberdingk Boley bis 1763. In dieser Zeit betreibt Hendrik Alberdingk einen Böttcherbetrieb. Als offizielles Gründungsjahr benennt Alberdingk Boley 1772 auf Basis eines belegten Grundstückkaufs von Hendrik Alberdingk für ein Firmengebäude in Amsterdam.  Aus dem ursprünglichen Gewerbe, Fässer an Walfänger zu liefern, entwickelte sich mit der Zeit ein schwunghafter Handel mit Tran und pflanzlichen Ölen.

1798 Frederik Alberdingk, der Sohn des Gründers, kaufte drei Mühlen, u.a. für die Verarbeitung von Ölsaaten und Gewürzen 

1828 eröffnete Franz Heinrich Boley, Sohn eines Wollfabrikanten, in St. Tönis eine Leinen- und Presstuchweberei. 

Kartenausschnitt Rheinwerft Uerdingen, 1925: Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, RW Karten Nr. 4177

Die in Leeuwarden, Niederlande, 1879 gegründete „Leinölfirnisfabrik T. I. Alberdingk Söhne“ verlegte 1886 ihren Sitz nach Uerdingen direkt an den Rhein. Der Standort der Fabrik ist zunächst am Rheinwerft zwischen Zollamt und den Silos die durch die Uerdinger Silo Speicher Gesellschaft erbaut wurden, siehe Karte.

1894 Oel-Fabrik F.H. Boley

Oelfabrik F. H. Boley im Postkartenformat aus dem Jahr 1919 Quelle: Archiv Alberdingk Boley GmbH

Nach einem Brand der bisherigen Ölmühle in St. Tönis fasst Emil Boley, der Sohn von Franz Heinrich Boley, den Entschluss, die Fabrik in Uerdingen am Rhein neu aufzubauen. Ein schlagendes Argument dabei ist die Nutzung der Wasserstraße.

Er benennt sie nach seinem Vater Oel-Fabrik F. H. Boley. Sie hat 8 Seiherpressen, die in einem einzigen Durchlauf Saat zu Öl pressen und somit die Einsparung von Presstuch ermöglichen. Hier soll künftig Leinsaat zu Öl verarbeitet werden.

Die Fabrik hat Wasserstraßen- und Bahnanschluss und ist hochmodern ausgestattet. Die Ölfabrikation und die historischen Gebäude sind vom Uerdinger Rheinwerft aus, am Ufer flussauf, bereits nach gut 100m zu erreichen, siehe folgende Karte.

Um liquide Mittel zu beschaffen, nimmt Emil Boley die Unterstützung an von seinem Schwager, Erich Schuchard, der künftig Teilhaber des Unternehmens ist.

1904 tritt Emil Boley aus dem gemeinsamen Unternehmen aus, alleiniger Eigentümer wird somit Erich Schuchard.

1905 Ölmühle Emil Boley

Oelmühle Emil Boley, Abbildung aus „Deutsche Ölmühlen-Industrie“ (1925)

Unter eigenem Namen gründete Emil Boley 1905 die Ölmühle Emil Boley am Eingang des „Crefelder Hafens“.

Die Fabrik war ursprünglich auf die Herstellung von Speiseöl und die Verarbeitung von Baumwollsaat ausgerichtet.

Die Ölmühle Emil Boley liegt unmittelbar neben der Uerdinger Rheinbrücke und ist vom Parkplatz unter der Brücke zu erreichen.

Zu dieser Zeit war die Verarbeitung von Baumwollsaat in Deutschland brandneu. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs entwickelte sich das Unternehmen sehr gut, die Zukunftsperspektiven für die Verarbeitung von Baumwollsaat waren äußerst positiv.


Ungefähr zur gleichen Zeit gelingt es Johann Bernhard Alberdingk, ein Produkt herauszubringen, das dem bisherigen aus fabrikationstechnischer Sicht haushoch überlegen ist.

Es wird dazu eine Schutzmarke eingetragen: Leinölfirnis Marke ALBERDINGK®, diese gibt es auch heute noch.

Im weiteren Verlauf der Jahre wird die Herstellung von gebleichtem Leinöl und Lackleinöl aufgenommen.

Zusammenschlüsse

1921 schliessen sich die Firmen
F.H. Boley und
T.I. Alberdingk Söhne
zur Alberdingk-Firnis- und Ölwerke AG zusammen.

1924 erfolgt die Fusion mit der Oelfabrik Emil Boley zur
Vereinigte Uerdinger Oelwerke Alberdingk & Boley AG

Vereinigte Uerdinger Oelwerke Alberdingk & Boley Aktiengesellschaft,
Abbildung aus „Deutsche Ölmühlen-Industrie“ (1925)

Diese Anzeigen wurden noch von Hand gezeichnet. Anzeige aus den 30er Jahren. Quelle: Archiv Alberdingk Boley GmbH

1925 wurde die „Oelfabrik F.H Boley“ vorerst stillgelegt.


Rheinhafen Krefeld, Hafeneinfahrt, rechts Ölmühle Emil Boley,
nun bereits Vereinigte Uerdinger Oelwerke Alberdingk & Boley AG. Quelle: Archiv Alberdingk Boley GmbH

1933 gründeten die Vereinigte Uerdinger Oelwerke Alberdingk & Boley die Deutsche Rizinus-Oelfabrik Boley & Co., die fortan auf dem Gelände der stillgelegten Ölmühle F. H. Boley eine Ölmühle zur Verarbeitung von Rizinussaat betrieb.

Ab 1970 entwickelte das Unternehmen einen weiteren Geschäftsbereich mit der Herstellung umweltfreundlicher Bindemittel:

Abbildung aus „Deutsche Ölmühlen-Industrie“ (1925)

1970 Aufnahme der Produktion von Kunststoff-Dispersionen

1985 Aufnahme der Produktion von Polyurethan-Dispersionen auf Wasser-Basis

1989 Umwandlung der Firmen Vereinigte Uerdinger Oelwerke und Deutsche Rizinus-Oelfabrik zu einer einheitlichen Kapitalgesellschaft ALBERDINGK BOLEY GmbH

1998 Aufnahme der Produktion von Klebstoff-DispersionenIn den darauffolgenden Jahren bis heute wurden Beteiligungen erworben und weitere Niederlassungen gegründet in Deutschland, USA und China.

2000 Gründung der Alberdingk Boley Inc., Greensboro, NC, USA

2005 Aufnahme der Produktion von 100 % PU-Polyolen

2007 Gründung der Alberdingk Resins Co., Ltd. Shenzhen, China

2018 Gründung der Alberdingk Boley Leuna GmbH, Leuna

2020 Übernahme der Aktivitäten der GER Aquapolymer, Würselen, im Bereich der Klebstoffdispersionen

Der Geschäftszweig Pflanzliche Öle in Form von Leinöl- und Rizinusölqualitäten besteht bis heute. Im Laufe der Zeit erfolgte Stück für Stück eine Erweiterung des Portfolios.

War Alberdingk Boley zu Beginn der Historie eher bekannt als Hersteller natürlicher Öle, so gilt dies heute noch mehr für den Geschäftsbereich der umweltfreundlichen Bindemittel.

Briefkopf, Quelle: Stadtarchiv Krefeld

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Alberdingk-Boley.de