Rheinwerft Uerdingen

Uerdingen war Jahrhunderte der Umschlagplatz für Waren aus fernen Ländern die hier umgeladen und in das Hinterland transportiert wurden. Der „Uerdinger Hafen“ ist das langgezogene Flussufer des Rheins entlang der Stadtmauer. Die Stadt Uerdingen war zudem ein wichtiger Zollort, bis zu vier unterschiedliche Zölle wurde hier erhoben. 

Sehenswert ist das Uerdinger Werft, die heutige Uerdinger Promenade, das Uerdinger Zollamt, der sich unmittelbar anschließende historische Stadtkern Uerdingens.


Geschichte und Hintergund Rheinwerft

Rheinwerft, Postkarte, Perspektive flussab, ca. 1910
Ausschnitt, Karte aus dem Jahr 1747: Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland RW Karten, Nr. 2339

Das Rheinwerft bestand ursprünglich nur aus einem unbefestigten Ufer entlang des Rheins, unmittelbar vor dem Rheintor der Stadt Uerdingen. Schiffe legten dort an und Waren wie Holz, Salz, Kalk, Zuckerrohr und Kolonialwaren aus fernen Ländern, Kohle wurden entladen.

Aus dem Jahr 1750 ist eine weitere kolorierte Karte erhalten, auf der die Uferbefestigung des Rheinwerft als „Deckwerke“ genauer skizziert und festgehalten werden. Offenbar wurde der Uferbereich vor dem Stadttor als Umschlagplatz und zur Verteidigung der Stadt ausgebaut.

Ausschnitt, Karte aus dem Jahr 1750: Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland RW Karten, Nr. 2338

Einhundert Jahre später wurde ein noch besserer Ausbau des Rheinwerft dringlich, denn es hatten sich in Uerdingen die ersten größeren Industriebetriebe in Form von Zuckerraffinerien gebildet. Zudem hatte 1849 die Eisenbahn Uerdingen erreicht. Und die Eisenbahn stellte eine ernsthafte Konkurrenz zum Handelsweg Rhein darstellen. Sollte damit Uerdingens Umschlagplatz unwichtig werden?

Ausschnitt, Karte aus dem Jahr 1874: Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland RW Karten, Nr. 3287

Im Zusammenspiel zwischen der staatlichen Eisenbahnverwaltung und der Stadt Uerdingen wurde zunächst das gesamte Ufer ausgebaut und dort eine städtische Industriebahn, mit Anschluss zur staatlichen Eisenbahn am Uerdinger Güterbahnhof eingerichtet. Zudem wurden Dampfkräne in Betrieb genommen und Industrieansiedlungen fanden rheinabwärts, im sich dort vergrößernden Uferbereich den idealen Standort.

Elevator, Silospeicher 1882 , Eisenbahnwaggon, Uerdinger Silo Speicher Gesellschaft, Quelle: Prospekt der Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt G. Luther.
Abbildung der Uferbefestigung an der Rheinwerft, 1888, Quelle: Jasmund, Robert: Denkschrift „Die Arbeiten der Rheinstrom-Bauverwaltung 1851-1902, Halle a. S, 1900

Auf der Fotografie oberhalb ist der Querschnitt der neuen Uferbefestigung des Rheinwerft erkennbar. Die für die Uferregulierung zuständige Rheinstrombauverwaltung vermerkt dazu in einem Bericht, dass keine besonderen Kosten für sie entstanden seien, da die Eisenbahnverwaltung und die Stadt Uerdingen die Kosten getragen hätten.

Rheinwerft um 1900. Foto: Verladen von Kathreiner Malzkaffee am Rheinkai in Uerdingen,
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand PL 4/81
Kartenausschnitt Rheinwerft, 1925: Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, RW Karten Nr. 4177

Der nun industriell ausgebaute Uferbereich wurde durch eine rasch anwachsende Zahl von Industriebetrieben genutzt und auch gesäumt, sei es die Ölmühle Alberdingk Söhne, August Büttners Dampfkesselfabrik, die „Uerdinger Aktiensprit Fabrik“ – später als „Ölfabrik Holtz und Willemsen“ bekannt geworden, die Bleiwerke Röhr, „Chemische Fabriken Lienau“ und „R. Wedekind & Co“, die Weinbrennerei Dujardin, bis hin zu den „Farbenwerken vorm. Weiler Ter Meer„, schon weit in Richtung Hohenbudberg.

Zollamt, Foto: Christoph Becker

Erhalt

Die gesamte Werftanlage ist erhalten und ist im Besitz der Hafen Krefeld GmbH & Co. KG, diese gehört zu 51% der Stadt Krefeld. Bisher wurden in deren Namen nur wenig Aktivitäten zum langfristigen Erhalt, oder einer adäquaten und erhaltenden Umnutzung begonnen. Der Flussab gelegene Teil des Rheinwerft wird durch Reste einer historischen industriellen Bebauung eingenommen, deren Anlagen im Projekt Rheinblick zu wesentlichen Teilen überplant, der historische Uferweg und die Bebbauung sollen nicht erhalten werden. Die Stadt Krefeld verfolgt dazu Mitte 2021 erneut den vor fast einem Jahrzehnt gescheiterten Bebauungsplan 722.

Die Umgebung einer Lagerhalle wurde in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing und den Uerdinger Kaufmannsbund mehrfach temporär als Rhineside Gallery bespielt.

Rhineside Gallery, Lagergebäude der Balthasar Erlenwein & Cie, Foto: 2020

Die historischen Uerdinger Industriegebäude im flussab gelegenen Teil der Werft sind seit Jahrzehnten ungenutzt. Das im Foto oberhalb gezeigte Büttner, später Müncker Silo ist mit dem zugehörigen und damals sehr denkmalwert eingeschätzten Speicher, kurz vor der Denkmal-Unterschutzstellung wohl zur Vorbereitung eines günstigen Verkaufs, noch rasch um 2000 abgerissen worden.

Die in wenigen Teilen erhaltene Büttner Dampfkesselfabrik, sowie die Büttner (später Müncker) Villa am Rheinufer sind großteils ungenutzt und verfallen. Wesentliche Teile der Ölfabrik „Holz und Willemsen“ wurden aufgrund der Jahrzehnte Leerstand und den resultierenden Schäden 2020 abgerissen.

Das Zollamt ist in Betrieb und ein eingetragenes Denkmal.

Projekt Rheinblick

Das Projekt Rheinblick, aktuelle Entscheidungen und die Auswirkungen auf das Rheinwerft sind hier zu erkennen:
https://rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/umsetzung-von-projekt-rheinblick-in-krefeld-uerdingen-greifbare-nahe_aid-59546265

Empfohlener Rundweg


Uerdinger Rheinwerft mit Zollhaus 
von Christoph Becker

Holtz & Willemsen | Howinol 
von Walter Buschmann

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