Rheinische Röhrendampfkesselfabrik Büttner & Cie

Eines der großen metallverarbeitenden Unternehmen im Rheinland das sich auf Dampfkessel und vor allem Trocknungsanlagen spezialisiert hatte, war das Büttner Werk in Uerdingen. In der fortschreitenden Industrialisierung brauchte so gut wie jede Fabrik eine verläßliche Dampfmaschine und Agrarprodukte mussten schnell getrocknet werden können. Büttner war dafür einer der wichtigen Hersteller und lange ein verläßlicher und guter Arbeitsplatz für hunderte Uerdinger Arbeiter.

Sehenswert ist der in Fragmenten erhaltene Ursprung des Unternehmens, heute zwar nur noch eine Ruinenlandschaft am Rheinufer, aber ein wichtiges Stück Industrie- und verunglückte Denkmalgeschichte Krefelds.


Geschichte und Hintergrund

August Büttner studierte Maschinenbau an der Königlichen Gewerbeakademie in Berlin, wechselte nach Aachen zuerst zur Technischen Hochschule und arbeitete dann selbständig als Ingenieur. Schon im Studium faszinierten ihn offenbar Dampfkessel.

Am 16. Dezember 1874 eröffnete er die Kommanditgesellschaft Rheinische Röhren­dampfkesselfabrik A. Büttner & Cie. in Uerdingen am Rhein mit der Kapitalkräftigen Unterstützung der Kaufmannsfamilie Mauritz aus Uerdingen.

Zuerst hatte das Werk drei kleine Werkstatt-Hallen und bot einem Dutzend Arbeitern einen Job in der Metallindustrie. Auf dem Grundstück war auch ein erstes kleines Verwaltungs- und Wohngebäude errichtet worden.

Gefertigt wurden dort zuerst Alban Wasserrohr Kessel (siehe Deutsches Museum), bei denen ein horizontal liegendes Röhrenbündel in eine Wasserkammer mündete. Der erste Büttner Dampferzeuger hatte eine Heizfläche von 12,2 m2 und 5 Atmosphären Betriebsdruck.

Büttner Werk 1874, Quelle: Büttner Werke Uerdingen am Rhein zum 50. jährigen Bestehen

Schnell wurden aber eigene Kesseltypen gefunden, insbesondere auch seit 1878 explosionssichere Kessel gefertigt, die auch in bewohnten Gebäuden wie zB. Krankenanstalten aufgestellt werden konnten.

Büttner Kesseltypen 1874-1924, Quelle: Büttner Werke Uerdingen am Rhein zum 50. jährigen Bestehen

1875 arbeiteten im Werk bereits 300 Mitarbeiter und die Büttner-Kessel wurden weltweit vertrieben. 1880 wurde das Werk erheblich erweitert und die drei Werkstatt-Hallen zum Rhein hin verlängert, das kleine Verwaltungs- und Wohngebäude mit einer repräsentativen Villa vergrößert.

Von den Bahnlinien die Uerdingen durchquerten, wurde am Uerdinger Güterschuppen mittels einer Drehscheibe das Firmengelände, wie auch der benachbarte Rheinwerft, erschlossen. Neben der Büttner Villa entstand eine neue zweistöckige Werkstatt und zudem ein Kesselhaus und eine Gießerei.

1903, von links nach rechts: kleine Verwaltung, Büttner Villa, zweistöckige Werkstatt, drei verlängerte Werkshallen, Eisenbahnanschluß, im Hintergrund rechts Silospeicher. Quelle: Büttner Werke Uerdingen am Rhein zum 50. jährigen Bestehen

1881 Uerdinger Silospeichergesellschaft

In Uerdingen entstand einer der der damals modernsten Silospeicher für 35000t Getreide. August Büttner investierte mit seinen bestehenden Kapitalgebern dazu in eine Silospeicher-Anlage mit Elevator am Rhein, die von der damals weltweit aktiven Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt G. Luther erbaut wurde, welche schon seit den 1870er Jahren in Liverpool, Brooklyn und Buffalo in New York, Belgien, Frankreich, Hamburg, Dresden, Mannheim und Köln Silos ausgeführt hatte.

Büttners Silospeichergesellschaft nutzte erstmals den dazu hervorragend geeigneten Standort direkt am Rhein, unmittelbar neben seiner Röhrendampkesselfabrik.

Auf der Zeichnung oberhalb ist der Silospeicher übrigens ganz rechts im Bild zu erkennen, der Antrieb erfolgte kostensparrend durch die Dampfmaschine der Röhrendampkesselfabrik mittels eines Transmissionsriemens, der über den Fabrikhof hinweg zum Silo gespannt wurde.

Elevator, Silospeicher 1881 , Eisenbahnwaggon, Transmissionsriemen, Uerdinger Silo Speicher Gesellschaft, Quelle: Prospekt der Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt G. Luther.

Die Speicheranlage war mit Schneckenantrieben zur Hebung des Getreides eingerichtet und wurde in der Folge noch erheblich durch einen weiteren Backstein-Großspeicher erweiterte.

Hervorgehoben die beiden Backstein-Silospeicher der Uerdinger Silo Speicher Gesellschaft, Foto und Zustand ca. 1970

Zur Entleerung der Silospeicher ertüftelte Büttner in seinen benachbarten Metallwerkstätten Klappen- und Entladevorrichtungen, die er patentieren lies. Der Speicher zählte zu den ersten Anlagen mit ausgefeilter mechanischer Verteiltechnik überhaupt, die auf den zeitgenössischen Fotos mit den Rohrleitungen und Elevatoren auch sehr gut erkennbar ist.


1895 wurden die Silos an die Speditionsgesellschaft Theodor Müncker verkauft, die diese Anlage in den folgenden Jahrzehnten noch um das Grundstück der benachbarten Leinölmühle der Firma T.I. Alberdingk und Söhne – welche in Richtung Uerdinger Brücke umzog – erheblich erweiterte und lange Jahre betrieb.

1886 wurde von August Büttner, zusammen mit dem ehemaligen Werkleiter der Uerdinger Actien Spritfabrik Dr. Karl Meyer, die Schwesterfirma Büttner & Meyer gegründet, welche fortan spezielle Trockner für Agrarfrüchte entwickelte und vertrieb, wie beispielhaft die zur Zuckergewinnung benötigten Rüben, sehr erfolgreich anfertigte.

1914 Umzug der Büttner-Werke zur Parkstraße

1914 reichte der Platz am Rheinufer nicht mehr aus und die Büttner Werke wechselten zu einem neuen Standort an der Parkstraße, auf die andere Seite der Eisenbahnlinie, und erbaute dort eine erheblich größere Werksanlage, die in einigen Teilen bis heute noch erhalten ist. Die Büttner Werke fertigten dort nun eine enorme Palette von Kesselanlagen und Trocknern, von kleinen Anlagen bis zu Installationen für Braunkohle-Großkraftwerke und vertrieb die Produkte weltweit.

Das gesamte freigewordene Gelände am Rheinufer mit allen Werkshallen und auch der ehemaligen Büttner Villa übernahm die Speditionsgesellschaft Theodor Müncker nun vollständig.

Die Büttner Werke an der Parkstraße in Uerdingen gingen nach mehreren Zusammenschlüssen mit anderen Unternehmen in die Büttner-Schilde-Haas Aktiengesellschaft (BSH), letztendlich im Babcock-Borsig Konzern auf, der allerdings 2002 in enorme Turbulenzen geriet und zusammenbrach. Der traditionsreiche Trocknerbau existiert am Standort Krefeld (nicht mehr in Uerdingen) bis heute, als Büttner Energie- und Trocknungstechnik in der Simpelkamp Gruppe.

Erhalt

Luftbild der Anlage 2020, Zustand nach Teilabriss 2001 und Verfall Quelle: YouTube Screenshot

Die historischen Backstein-Siloanlagen waren in den 1990ern, nach nunmehr 100 Jahre Betrieb, nicht mehr konkurrenzfähig. Die Anforderungen an Getreideeinlagerung hatten sich schon lange geändert, leistungsfähigere und modernere Anlagen aus Eisenbeton, mit erheblich verbessertem Fassungsvermögen wie die beiden Silos der Lagerhausgesellschaft Schou und der Mühlenwerke Gottschalk im Rheinhafen, konnten weitaus effektiver arbeiteten.

Büttner Villa, Garten, Quelle: Werkhaus Krefeld e. V. Kulturhafen Projekt, 2005-2007 mehr

Erhaltungsmaßnahmen der Silos auf dem Firmengelände der Speditionsbetriebe Müncker unterblieben und die in der Substanz dennoch gut erhaltenen beiden Silos wurden 2001, noch rasch vor der damals angekündigten Denkmal-Unterschutzstellung durch die Stadt Krefeld, abgerissen.

Der Abriss der der denkmalwerten Substanz ermöglichte es erst, das sogenannte Investment Projekt „Rheinblick“ zu entwickeln.

Dabei soll das ehemalige Büttner / Müncker Gelände und das Gelände der ehemaligen Holtz und Willemsen Ölfabrik von unterschiedlichen Projektträgern, u.A. mit Luxus- Wohnungen mit exklusivem Rheinblick für bis zu 1.4Mio€ pro Einheit vollständig überbaut werden. 

Auf dem Gelände sind allerdings noch Reste der historischen Büttner Werke erhalten, darunter nicht nur die historische Villa samt Garten, sondern auch einige wenige aber durchaus wesentliche Teile des Werks, die den Zusammenhang der Entstehung der Metallindustrie in Uerdingen auch für Nachfolgende Generationen erklären können, und daher in heutiger Einschätzung unbedingt erhalten werden müssten.

Die gesamte Anlage ist aufgrund der unterbliebenen Erhaltungsmaßnahmen in einem schlechten Zustand. Für die Uerdinger Bevölkerung ist die entstandene Ruinenlandschaft seit Jahren ein erhebliches Ärgernis.

Siehe Fotos am Schluss des Beitrags.

Vorhandene historische Substanz,
nicht im Bild: Bachstein Lagergebäude auf dem anschließenden Gelände rechts

Lagergebäude aus Zeiten der Uerdinger Silospeicher Gesellschaft

Mehr lesen

„Die Uerdinger Silospeicher-Gesellschaft“
von Dieter Rehbein in
Uerdinger Rundschau Nr. 9, Mai 2015,
Uerdinger Heimatbund e.V.

Zu Büttner & Co
Industrie in Uerdingen
auf der Website zu Uerdingen von Horst Peterburs

Uerdinger Rheinwerft mit Zollhaus
von Christoph Becker

Holtz & Willemsen
von Walter Buschmann

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