Siedlung Lindental

Der neuere Teil der Siedlung Lindental war als Arbeitersiedlung für die Deutschen Edelstahlwerke AG geplant und entstand ab 1936 westlich der Forstwaldstraße, als eine städtische Bauplanung, unter der Ausführung der Linner Aktienbaugesellschaft.

Sehenswert ist das Siedlungslayout und die Siedlungsarchitektur im Heimatstil


Geschichte und Hintergrund

Lindental besteht aus zwei einzelnen Siedlungen, die grundsätzlich auch sehr unterschiedlich geplant wurden.

Der Siedlungsteil „alt“ Lindental ist als Beamtensiedlung zwischen 1920 – 25 östlich der Forstwaldstraße entstanden. Mit Hilfe des Beamtenbauvereins siedelten dort Beamte der Bahn, Post, der Stadt und des Zolls. Es entstanden dort insgesamt 98 Häuser, in Zweier-, Dreier- und Viererblocks.

Für die Planungen des heute als „Alt“-Lindental bezeichneten Siedlungsbaus war der spätere Stadtbaurat Bollert zuständig. Er führt dazu im „Städtebauatlas Crefeld“ 1922 aus:

Siedlung Alt-Lindental, Quelle: Crefeld Städtebauatlas 1922

„…wegen seiner reinen und guten Luft besonders bevorzugten Westen der Stadt „… „bei größter Sparsamkeit pekuniärer Mittel „…“ eingeengt durch das zeitweise Fehlen wichtiger Baustoffe, gehemmt durch Arbeitsunlust und Streiks der Bau- und Eisenbahnarbeiter sind hier 100 Eigenheime nach Sechs verschiedenen Typen entstanden, die jetzt mit ihren rot leuchtenden Dächern und hellen, viel fach anmutig berankten Fassaden, dem Schmucken Grün der Haus- und Vorgärten dem sich Crefeld nähernden Wanderer ein freundliches Bild als erster Vorläufer der Großstadt bieten.

Und weiter: „Die Häuser haben“ … „alle einen Stall zur Kleintierzucht und reichlich Gartenland von 250 bis 1500 qm.

Siedlung „Alt“ Lindental, Quelle: Städtebauatlas Crefeld, 1922

Siedlung der Deutschen Arbeiterfront DAF Lindental

Für die Pläne der Arbeitersiedlung Lindental zeichneten sich die Krefelder Architekten Carl Dahmen, Kurt Geilen und Erich Nothoff verantwortlich. Die Häuser der ersten Bauphase sind im Heimatstil als Arbeiterwohnhäuser errichtet worden, die zweite Bauphase ließ eine zusammenhängenden Zeile von Geschäften als Ladenhaus entstehen, sowie sich aneinanderreihenden Bauten um den Platz „Op de Ley“, die einen dörflichen Charakter ausstrahlen sollten.

Am Platz „op de Ley“, ehemaliges Ladenhaus
ehemaliges Ladenhaus in Lindental

Kinderhort und Gemeinschaftshaus

Zwischen dem Platz „Op de Ley“ und dem nördlicheren Platz „Heimatplan“ entstand ein Kinderhort der auch als Gemeinschaftshaus genutzt wurde.

Kindergarten
Bildband „Das Bauen im neuen Reich“, (Band zwei, Gerdy Troost, Gauverlag Bayreuth, 1943)

Der Kindergarten / bzw. Gemeinschaftshaus der Siedlung wurde im opulenten Bildband „Das Bauen im neuen Reich, zweiter Band“ als „Kinderheim der Siedlung Lindental, Krefeld“ aufgeführt (Quelle: Silesian Univesity of Technology). Die aufwändig gestalteten Bildbände zeigten einen Überblick der bis dahin realisierten Bauvorhaben des Dritten Reichs, die gut die angestrebten Baustile in der NS-Zeit wiedergeben.


In der dritten und vierten Bauphase wuchs die Siedlung in Richtung des Platzes „Heimatplan“ nach Norden weiter. Das Richtfest des nördlichen Teils der Siedlung wurde mit entsprechenden nationalsozialistischen „Darbietungen“ im Oktober 1938 gefeiert.

Architekt Carl Dahmen

Der bei der Siedlung Lindental führende Architekt Carl Dahmen aus Hüls war 1930 mit dem den Christian-Roosen-Platz dominierenden Gebäude der Sparkasse in Hüls aufgefallen.

Das Siedlungsbauvorhaben in Lindental könnte ihm aber eher aus seinen Aktivitäten und seiner Einstellung zum Nationalsozialismus zugefallen sein. Er war seit August 1932 Mitglied der NSDAP sowie 1934 Mitglied der Deutschen Arbeiterfront (DAF).

Heimatstil, Natur- und Heimatschutz

Im Dritten Reich wurden Ideen des Natur- und Heimatschutzes ideologisch aufgeladen. Es wurde bewußt ein Gegenbild zur „verruchten“ Stadt erstellt, gegen sozialistische oder gar intellektuelle Ideen, gegen das „Internationale“ allgemein, deutlich antisemitisch, den „Ausländern“ und „Fremden“ sollte eine „völkische Heimat- und Naturbewegung“ entgegen gestellt werden. Im Siedlungsbau wurde der Heimatstil zu einem oft genutzten Mittel der Nationalsozialisten.

Siedlungshäuser Lindental

Neben dem rotbraunen Ziegelstein und den Niederrhein-typischen ursprünglich roten Hohlpfannen, wurden in der Siedlung Lindental die Grundstücke mit Hecken eingefasst, die Wege sind nirgendwo gerade und sollen so einen natürlichen Wegverlauf simulieren. Die dicht unter dem Dachgiebel angeordneten Fensterreihen und die tiefgezogenen asymmetrischen Dächer sind die durchgängig sichtbaren Merkmale.

Straßennamen

Die verwendeten Straßennamen haben einen Zusammenhang mit der Einordnung dieses des Siedlungsbaus in die Aktivität der „Deutschen Arbeitsfront“ DAF und mit dem zu dieser Zeit als „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ benannten Deutschen Edelstahlwerk.

Zum Eisenhammer, Arbeitsfrieden, Gießerpfad, Formerweg, Hüttensteig, Schmelzergang, Werkschardank, Am Feierabend, Am Kinderhort, Freizeitanger, Heimatplan, Goldrad.

  • „Arbeitsfrieden“, wenige Tage nach der Zerschlagung der Gewerkschaften wurde 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet, die Arbeitnehmer mit Hilfe der Organisationsstrukturen der DAF im Beruf, aber auch in der Freizeit kontrollierte und auch ideologisch ausbildete. Der „Volksgemeinschaft“, der sich alle Berufstätigen einzufügen hatten, wurde durch die DAF die Illusion eines guten Arbeitslebens vorgegaukelt, denn der „Arbeitsfrieden“ beendete die Streikmöglichkeiten der Arbeitnehmers.
  • „Goldrad“, das Symbol der Deutschen Arbeitsfront (die Straße wurde 1947 umbenannt)
  • „Werkschardank“, Werkschar ist ein im Nationalsozialismus benutzter Begriff für Arbeitnehmer (Straße 1947 ebenso umbenannt)
  • „Am Feierabend“, die „nationalsozialistische Gemeinschaft Kraft durch Freude“ (KdF) war eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und sorge mit einem ihren verschiedenen Ämten für Attraktionen. Das „Amt Feierabend“ war zB. für Theater-, Konzert- oder Lichtspielveranstaltungen zuständig.

Erhaltung

Eine Vielzahl der Häuser wurde verändert. Die Siedlung Lindental ist mit einer Erhaltungssatzung versehen, die auf die Initiative der Siedlergemeinschaft Edelstahl e.V. angeregt wurde. Die Geschichte der Siedlung wird in archivarischer Arbeit vor Ort dokumentiert, aufgearbeitet und aufbewahrt. Literaturtipp: Dokumentation „Damals in Lindental“, Gerd-Dieter Küsters und Hans-Peter Glasmacher, Krefeld, Stünings-Verlag, 2010.

Siehe auch:

https://www.verband-wohneigentum.de/sg-edelstahl/
https://kultur-in-krefeld.de/kulturhistorie/architektur/siedlung-lindental/

Mehr lesen


Deutsche Edelstahlwerke
von Christoph Becker

Siedlung Lindental
von Stephan Strauß 

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